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Island

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Stadt, Land, Flow – wohin soll ich nur reisen?

Ich werde oft nach einem Reisetipp gefragt. Sehr gerne: Hier kommt mein Stadt, Land, Flow! Natürlich ist das alles ja immer wahnsinnig subjektiv, aber bisher hat sich noch nie jemand bei mir beschwert…

1. Stadt: Okay, das ist echt hart! Wie soll man sich nur für eine Stadt entscheiden? Ich muss mal eben auf die Weltkarte schauen: Natürlich könnte ich jetzt San Francisco sagen (hallo, Schwester + Nichte + Schwager!). Barcelona. Hamburg (naheliegend). Jerusalem und Tel Aviv (auch schon abgefeiert). Aber ich entscheide mich für einen Underdog: Austin. Wo das liegt? In Texas! Wikipedia hat es treffend erfasst: Die Stadt ist für texanische Verhältnisse ungewöhnlich liberal und alternativ. Und kurios. Da gibt es mitten in der Stadt eine Brücke, in der Millionen von Fledermäuse nisten. Die stinken gewaltig, aber es ist trotzdem wahnsinnig ergreifend, wenn die nachts im Pulk ausschwärmen vor der Skyline der Stadt. Drum herum ist es absolut grün, drinnen findet man wunderbare Musik-Kneipen mit Singer-Songwritern und originelle Food-Trucks mit veganem Hipster-Essen. Und ab und zu reitet ein Cowboy durch die Stadt. Als ich mit meiner Freundin einen Roadtrip durch die USA gemacht habe, war ich nur einmal sauer auf sie: Weil sie nicht noch eine Nacht länger mit mir in Austin bleiben wollte…in diesem klischeehaften, plüschigen Motel: http://www.austinmotel.com/.

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Texas, aber cool

2. Land: Wer mich kennt, der wird jetzt schon wissen, was kommt: ISLAND! Ich glaube, mittlerweile denken manche Leute, dass ich dafür bezahlt werde, dass ich dieses Land immer wieder empfehle. Nein! Es ist einfach wirklich so, dass dieses Land dermaßen originell und bezaubernd ist. Es sind nicht nur die heißen Vulkane und die leicht zu reitenden Pferde. Wer vor allem überzeugen die total entspannten und natürlichen Menschen, die gefühlt alle ihr Ding machen und dabei auch noch am Puls der Zeit leben (jedenfalls die Städter). Das Tolle ist: Es werden nicht einfach Trends kopiert, sondern mit einer Prise Isländisch vermischt und dann zu etwas ganz Neuem verarbeitet. Auf Island gibt es keinen Platz für Ladenketten und Uniformes. Und: Keine Chance für „Nee-Sager“. Wer hier eine tolle Idee hat, macht sie und wird ermutigt – nicht nach dem Motto: Jetzt will der auch noch ein Buch schreiben oder einen Blog starten! Das Beste ist aber die Natur: Frei, voller Energie und lebendig. Hier kann man im Moos hüpfen und auf Vulkanen liegen. Also, wer nach einem Island-Urlaub uninspiriert nach Hause kommt….nee, das ist nicht möglich. Achja: Nein, es ist nicht immer dunkel und regnet! Im Sommer kann man noch um Mitternacht bei Sonne im Fluss baden. Im Winter knallen die Nordlichter vom Himmel. Alles gut! Mein Tipp: Zwischen Mai und Ende August für die erste Reise hinfahren. Ist zwar Hochsaison, aber dafür sind die Straßen nicht zugeschneit. Vier Tage Reykjavík und dann entweder 2-3 Wochen Rundreise oder Tagesausflüge machen. Alle weiteren Tipps und Reise-Freunde bekomm ihr im Kex Hostel (http://www.kexhostel.is). Hier sitzen immer Einheimische an der Bar…

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Noch Fragen?

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Somewhere over the rainbow auf Island

3. Flow: Wo kann ich einfach mal ich sein? Am besten in einem Retreat! Ja, und dann fängt der Stress an: Wo soll man da hin bei dem großen Angebot, das es mittlerweile gibt. Hier kann ich natürlich viele Empfehlungen geben (und werde das bestimmt auch in einem der nächsten Beiträgen machen). Doch mein Tipp für heute wäre erst einmal: Sich leiten lassen. Wo zieht es mich hin? Wo wollte ich IMMER schon einmal sein? Egal wo! Und was kann ich mir vorstellen, für eine oder zwei Wochen ganz intensiv zu machen: Yoga, Meditation, Surfen…? Will ich etwas Schickes oder Traditionelles? Ich rate: Auf das Herz hören, wie es immer so schön heißt. Ich habe eines der besten Retreats für mich gefunden, als ich Island, Meditieren und Wandern gegoogelt habe (war leider nur ein einmaliges Event).

Frage: So, und was ist dein Stadt, Land, Flow?

Allgemein, Reisen, Selbsterfahrung

Wie geht Nichtstun?

Es ist eigentlich einfach – und dann wieder nicht: dieses Nichtstun. Aber es gibt Momente auf Reisen, da fällt der andere Wahnsinn einfach von einem ab…

Auf Island verbannte ich mich eine Woche in die Natur in eine Hütte fernab der Zivilisation. Ich wollte vor allem eins: Nichts.Aber dann tappte ich doch wieder in die Ablenkungsfalle und war den ganzen Tag aktiv, denn natürlich war der Ballast aus meinem Leben mit mir gereist: Ich warf (wütend) Steine in den Fluss, kletterte (neugierig) hinter Wasserfälle, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt (Nichts!) und redete mit allen anderen Menschen in der Hütte – obwohl ich lieber geschwiegen hätte. Und ich spürte diese Sehnsucht, nachts unbedingt das Nordlicht sehen zu wollen. Doch da man dieses Licht nicht einfach anknipsen kann und es auch keine konkreten Vorhersagen gibt, hockte ich drei Nächte vor der Hütte und starrte ehrgeizig in den Himmel, während drinnen die anderen schnarchten.

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Wasserfall im Osten von Island, nahe Höfn

Es passierte nichts und ich kam mir bei meinem Vorhaben zeitweise einsam bis lächerlich vor. Es machte noch nicht einmal Spaß, es war eher ein Kampf. In der vierten Nacht ging ich übermüdet, kraftlos früh ins Bett. Am nächsten Morgen erzählte jemand von den anderen Hüttenbewohnern, wie er zufällig auf dem Weg zur Toilette ein wunderschönes Nordlicht gesehen hatte. Er schilderte es in allen Formen und Farben. Und dass er alle geweckt hatte, nur ich hatte nichts gemerkt. In mir sammelten sich genau die Emotionen, denen ich keinen Raum mehr geben wollte: Neid, Wut, Trauer, Enttäuschung, Isolation.

In den nächsten Nächten hockte ich wieder draußen. Da tippte jemand an meine Schulter und sagte: „Komm wir gehen jetzt zusammen auf den Berg, dann sind wir näher am Himmel und können das Licht vielleicht besser sehen.“ Ich willigte weniger mit dem Verstand als mit dem Herzen ein, trapste in der absoluten Finsternis den steilen Berg hoch während automatisch das Gedankenkarussell losfuhr: „Wenn ich jetzt einen falschen Schritt mache, stürze ich den Abhang runter…Und was, wenn ich das Nordlicht wieder nicht sehe?…Auf was hast du dich da eingelassen?…Wieso kannst du nicht wie die anderen einfach mal schlafen gehen oder im Robinson-Club Urlaub machen…

Erschöpft vom Denken, vom Vorsatz Nichts zu tun, von der Suche, ließ ich mich auf der Spitze des Berges mit einem Atemzug fallen und streckte mich aus wie eine Marionette, bei der alle Fäden fallen. Ich schaute mit bedingungsloser Hingabe in den Nachthimmel und hörte endlich mit allem auf. Mühelos. Die Müdigkeit wurde dabei zu meinem Freund beim Fallenlassen. Ich spürte das weiche Moos unter mir und wie sich der Bauch meines Begleiters beim Atmen entspannt hob und senkte. Wie bei mir. Schöne, geteilte Leere. Nichts passierte – und doch so viel. Ich spürte Weite, Leichtigkeit, Verbundensein, Wahrhaftigkeit. Etwas öffnete sich. Wie lange das dauerte? Ich hätte es nicht sagen können. Es fühlte sich an wie eine endlose Meditationsrunde, vielleicht war es aber auch nur eine Minute. Ich weiß nur, dass ich mich plötzlich mit allem verbunden fühlte, auch mit mir und alles gut, ruhig, still war – obwohl ich von außen betrachtet irgendwo in Island auf einem finsteren, steinigen Berg lag. Ziellos. Ohne Taschenlampe.

Irgendwann gongte es in mir: Na, dann lass uns mal wieder runter gehen. Und da, als ich gar nicht mehr hoffte, wartete und sehnte, knipste jemand das Nordlicht an.

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Nordlicht im Himmel über Island

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Credit: Kimo Quaintance

 

Der Himmel riss über uns auf und…unbeschreiblich. Ich sah jedenfalls weiß und pink, mein Wegbegleiter grün. Dann ließ ich auch diese überwältigende Freude über das Ende dieser Suche ziehen – und ging endlich schlafen. Bei mir blieb das Gefühl: Alles ist da, alles ist möglich. Es gibt Momente – da fällt der andere Wahnsinn einfach ab.

Meine Empfehlung: Diese Meditation von Stephan Pende Wormland „Stay close – and do nothing“:

http://mindfuldreaming.org/stay-close-and-do-nothing/